Kräuter + Ayurveda

Farbenfrohe Heilstoffe aus der Natur- die Kräuter des Spätsommers

Die Tage vom 15. August bis zum 8. September gilt als eine Phase, in der Wildkräuter nochmal ihre volle Kraft entfalten. Es ist daher eine gute Zeit fleißig zu sammeln und sich einen kleinen Vorrat für den Winter anzulegen. Früher glaubte man, dass in dieser Zeit gesammelte Kräuter sogar die dreifache Wirkung hätten.

Eng verbunden war und ist dies mit dem Brauch der Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt in Süddeutschland und Tirol, bei dem Kräuterbüschel mit bis zu 99 verschiedenen Kräutern geweiht werden. Leider ist es mittlerweile kaum oder gar nicht mehr möglich, eine solche stolze Anzahl an verschiedenen Heilpflanzen zu ernten. Auch ist es angesichts vieler bedrohter Arten fraglich, ob dies noch erstrebenswert ist. Glücklicherweise gibt es jedoch noch einige wichtige Kräuter, die häufig zu finden sind und eine breite Wirkung entfalten können.

Einige davon stelle ich dir heute vor. Vielleicht hast du ja Lust dir nach und nach eine eigene kleine Kräuter-Hausapotheke zusammenzustellen. Alle hier vorgestellten Kräuter sind häufig zu finden oder können, wie z.B. die Ringelblume, leicht selbst angebaut werden.

Auf dem Bild erkennst du unten Stengel und purpurfarbene Blüten des Blutweiderichs, der als Heilkraut bei uns leider etwas in Vergessenheit geraten ist. Er wächst häufig auf feuchtem Boden und in der Nähe von Seen oder Teichen. Er gilt traditionell als blutstillend, antibakteriell und Blutzucker senkend und soll auch bei Hauterkrankungen, wie Wunden, Entzündungen und Ekzemen helfen oder bei zu starker Menstruation und Durchfall. Seine zusammenziehende Wirkung kannst du entweder äußerlich nutzen mit einem Umschlag aus einem Aufguss oder innerlich als Tee. Eine farbenfrohe Möglichkeit die Heilpflanze regelmäßig zu dir zu nehmen, ist es, ein paar Blüten zusammen mit frischen Malvenblüten in eine Flasche zu füllen und mit Weißweinessig aufzugießen. Du erhältst nach ein paar Tagen einen aromatischen purpurfarbenen Essig.

Oberhalb des Blutweiderichs erkennst du die langen Blätter des Spitzwegerichs, der ein Allround-Talent im Kräutergarten darstellt. Du findest ihn auf vielen Wiesen in deiner Umgebung. Besonders oft kommt er bei Erkältungen und Husten zum Einsatz, aber auch als Akut-Mittel bei Insektenstichen und zur Wundheilung, da er auch als Antiseptikum gilt. Spitzwegerich kann ebenfalls in der Küche zusammen mit anderen Kräutern im Mischsalat verwendet werden. Er enthält neben Gerbstoffen und Kieselsäure, auch Vitamin C, Zink, Magnesium und Kalzium.

Für deine Winterapotheke kannst du daraus beispielsweise einen Spitzwegerich-Sirup (gegen Erkältungen) zubereiten oder die Blätter als Tee trocknen. Ein frisches Blatt zerdrückt hilft erfahrungsgemäß, Insektenstiche abschwellen zu lassen oder kleine Hautrisse zu heilen.

Die zarten gelben und orangenen Blütenblätter oben auf dem Foto sind von Ringelblumen geerntet. Ringelblumen gelten als „Breitbandantibiotikum“ in der Kräuterheilkunde. Verwendet werden sie traditionell bei Entzündungen, als erste Hilfe bei Verletzungen, bei Pilz-, Parasitenbefall und auch bakteriellen Infektionen. Sie sind reich an ätherischen Ölen aber auch an Saponinen (seifenartigen Stoffen). Auch enthalten sie wertvolle Spurenelemente, wie u.a. Jod, Zink, Fluor, Schwefel.

Je nach Anwendungszweck können ganze Blüten oder die Blütenblätter verwendet werden. Entweder kannst du sie als goldgelben Tee zu dir nehmen oder auch eine Tinktur daraus bereiten. Wie das geht, verrate ich dir in einem meiner folgenden Beiträge. Besonders pflegend und heilsam für die Haut sind Ölauszüge der Blüten. Hierfür gibst du klein gehackte ganze Blüten in einen Topf und füllst diesen mit Mandelöl auf, bis die Blüten gerade bedeckt sind. Nachdem diese über Nacht durchgezogen haben, wird das ganze für 10 bis maximal 15 Minuten auf dem Herd leicht erwärmt, jedoch nicht bis zum Siedepunkt. Nach dem Abkühlen wird das Öl mit einem Teefilter abgeseiht. Schon hast du ein pflegendes goldgelbes Ringelblumenöl für die kalte Jahreszeit, das du beispielsweise auch für selbsthergestellte Gesichtsmasken verwenden kannst.

Zu guter Letzt stelle ich dir noch die kleine Braunelle vor, die häufig in flachen Grasflächen, wie in Gärten oder Parkanlagen zu finden ist. Ihre Hauptanwendung findet sie in der Phytotherapie als antivirales Heilkraut, weshalb sie bei Herpes aber auch bei anderen Viruserkrankungen (wie Grippeviren) zum Einsatz kommt und auch bei Zahnfleischproblemen oder bei Halsschmerzen.
Auch gilt sie als östrogenhemmend und kann dadurch bei vielen östrogenbedingten Beschwerden verwendet werden, wie bei z.B. östrogenbedingter Endometriose.
Jetzt ist die beste Zeit die kleinen violett blühenden Pflänzchen zu sammeln. Du kannst diese trocknen und dir daraus Tees bereiten oder auch eine dunkelgrüne Tinktur, also einen Alkoholauszug, aus den kleinen Pflänzchen herstellen.

Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Spaß beim Ausprobieren und beim Schwelgen in der farbigen Heilpflanzenwelt. Wenn du noch mehr erfahren oder an Heilkräuterkursen teilnehmen möchtest, die ab Frühjahr 2021 stattfinden, dann schreibe mir unter [email protected]