Die heißesten Tage des Jahres haben begonnen. Um gut durch die Hitze zu kommen, habe ich hier ein paar kühlende Tipps aus dem Yoga und Ayurveda für dich zusammengestellt.
Diese Empfehlungen helfen übrigens nicht nur bei großer Sommerhitze, sondern auch bei Hitzewallungen in den Wechseljahren. Immer dann wenn zu viel Pitta im Körper vorhanden ist, entsteht Hitze. Der Sommer ist auch die Pitta-Zeit des Jahres. Die folgenden Empfehlungen haben generell einen Cool Down Effekt und helfen dir dein Pitta zu senken- nicht nur ein heißen Tagen.
Kühlende Atem-Techniken
Yoga bietet viele Pranayama-Übungen, also Atemübungen, die eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem haben. Hierdurch kann besonders das Herz-Kreislaufsystem, wenn es sehr heiß ist, stabilisiert und entlastet werden. Es gibt jedoch auch ganz spezielle Atem-Übungen, die für eine Abkühlung des Körpers sorgen.
Hier die drei wichtigsten Pranayama- Übungen für heiße Sommertage

1. Praktiziere in meditativer Sitzhaltung langen, tiefen Atem
Fülle bei jedem Atemzug deinen unteren Bauchraum, den Raum zwischen den Rippenbögen und auch den oberen Teil deiner Lungen bis unter deine Schlüsselbeine aus. Atme tief und vollständig ein und danach wieder langsam und vollständig aus. Lass deinen Atem hierbei besonders langsam und ruhig werden. Je langsamer und vollständiger dein Atem fließt, desto schneller beruhigt und stabilisiert sich deinen Vagusnerv und dein Nervensystem, welches v.a. dein Herz- und Kreislaufsystem positiv beeinflusst, wenn es bei großer Hitze stark beansprucht wird.

2. Aktiviere den kühlenden Energiekanal in deinem Körper
Eine besonders kühlende Wirkung hat Ida, wie der Mond- Energiekanal in deinem Körper genannt wird. Ida beginnt auf der linken Körperseite unterhalb deines Wurzelchakras und läuft links neben der Wirbelsäule, dem Hauptenergiekanal nach oben. Auf Höhe des dritten Auges wechselt er auf die rechten Seite des Schädels. Die rechte Gehirnhälfte wiederum lenkt die linke Hälfte des Körpers. Die Mondenergie in deinem Körper ist die kühlende, passive, beruhigende Energie. Du kannst Ida, die kühlende Kraft ganz einfach aktivieren, indem du dein rechtes Nasenloch mit dem Daumen deiner rechten Hand schließt und 5-11 Minuten lang nur durch dein linkes Nasenloch lang und tief ein und aus atmest.
3. Übe Sitali Pranayama
Für Sitali Pranayama atmest du durch den O-förmig geöffnetem Mund über deine Zunge langsam ein und durch die Nase aus. Entweder streckst du dabei deine Zungenspitze hierbei leicht in die Öffnung deines Mundes, so dass die Luft über deine Zunge beim Einatmen streift. Danach verschließt du mit der Oberlippe und der Zunge den Mund und atmest lang durch die Nase aus. Falls du zu den Menschen gehörst, die ihre Zunge längs zusammenrollen können, atmest du dabei durch die zusammengerollte Zunge ein und ebenso wie beschrieben durch die Nase aus. Keine Sorge, falls du deine Zunge nicht rollen kannst. Auch mit gerader Zunge hat die Übung einen kühlenden und darüber hinaus sogar einen reinigenden Effekt auf deinen Körper.
Stärke dein kühlendes Yin mit sanftem Yoga

Auch bei großer Hitze brauchst du nicht auf Yoga zu verzichten. Du kannst viele Yoga Übungen als Yin Yoga-Übungen praktizieren, wodurch diese einen heißen Tagen einen besonderen Cool down Effekt haben. Yin ist vergleichbar mit der Ida-Energie, also der Mond-Energie des Körpers. Yin Yoga wirkt sehr stark entspannend, stressabbauend und kühlend, während Vinyasa und Ashtanga Yoga der Yang Energie stärkt, also eher aufbaut, wärmt und aktiviert.
Und so funktioniert es: die Yin-Kraft in deinem Körper wird gestärkt, sobald du Dehnunghaltungen lange übst, nämlich jeweils drei bis fünf Minuten. Sehr wichtig dabei ist jedoch, dass der Dehnungsreiz dabei sehr sanft ausfällt. Dieser sollte nur etwa 40% deiner körperlich möglichen Dehnung in der jeweiligen Stellung betragen. Mache am besten jede Haltung auch in einer sehr bequemen Art, in dem du dich z.B. mit Kissen und Rollen unterstützt, damit du sie entspannt lange halten kannst. Atme dabei jeweils lang und tief in die Dehnung hinein. Ziel ist es, sich in die jeweilige Asana hinein zu entspannen.
Kühlende Gewürze und Getränke aus der Ayurveda-Küche

Kühlend auf den Körper wirken die Geschmacksrichtungen süß, herb und bitter. Vermeide dagegen saure, zu salzige und scharfe Nahrungsmittel. Auch saure Früchte führen zu mehr Hitze im Körper.
Gut gegen Hitze sind hingegen Pitta-Gewürze zusammen mit Joghurt als Lassi. Mache dir zunächst ein Pitta-Churna, d.h. eine pittasenkende Gewürzmischung. Röste dafür zu gleichen Teilen die Samen von Koriander, Fenchel, Anis, Kreuzkümmel und geöffnete Kardamomkapseln in einer kleinen Pfanne bis die Gewürze anfangen zu duften. Mörser oder male danach die Gewürze. Für ein kühlendes Gewürzlassi nimmst du 1 Teelöffel Pitta-Churna und mischt es mit 100 g Vollmilch-Joghurt und 400 ml zimmerwarmem Wasser. Trinke das Lassi als Zwischenmahlzeit, jedoch nicht zum Essen.

Ein weiteres kühlendes Getränk ist Gurkensmoothie mit Minze. Mixe dazu Salatgurke mit der Schale zu gleichen Teilen mit Wasser und einer kleinen Prise Meersalz. Gib frisch gehackte Minze hinzu. Du kannst den Gurkensmoothie auch noch mit Dill und Pitta-Churna (s.o.) verfeinern, wenn du magst. Dies stärkt nochmals den hitzereduzierenden Effekt des Getränkes.
Da laut Ayurveda die Geschmacksrichtungen süß, herb und bitter das Pitta im Körper reduzieren sind besonders süße und herbe Obstsorten (nicht saure!) empfehlenswert bei großer Hitze. Dies sind herbe Äpfel, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche, Beerenfrüchte (außer sehr saure Johannisbeeren). Besonders auch Gerichte mit vielen (Wild-) Kräutern bewirken neben einer Senkung der Pitta- Energie auch zu einer guten Versorgung mit Mineralstoffen, wie Magnesium, Eisen, Folsäure etc., die dem Körper beim starken Schwitzen mehr als üblich verloren gehen.
Yogische Kaltwasser-Anwendungen: Ishnaan

Eine weitere tolle Anwendung aus dem Kundalini-Yoga möchte ich dir in diesen heißen Tagen nochmal besonders ans Herz legen: die tägliche Anwendung von kaltem Wasser am Morgen, genannt Ishnaan. Im Sommer ist auch die beste Zeit, um damit zu starten. Die Anwendung wirkt nach meiner Erfahrung besonders gut auf das vegetative Nervensystem und auf Herz- und Kreislauf, welcher sehr gut durch das kalte Wasser trainiert werden. Wie Ishnaan genau funktioniert erfährst du in meinem Blogbeitrag zu dem Thema.
